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Digitale Transformation

Veränderungsmanagement: 3 Tipps, um Widerstand zu überwinden

Dienstag, Februar 12, 2019

Mehr als 25 Jahre Erfahrung haben mich gelehrt, dass eine schiefgegangene ERP-Implementierung mehr mit den beteiligten Menschen als mit der eingesetzten Technologie zu tun hat. Diese Tatsache hat auch schon Forrester Research vor über zehn Jahren dokumentiert. Über die Jahre haben verschiedene Studien Ähnliches gezeigt: Das Widerstreben der Nutzer, sich an neue Anforderungen und Arbeitsweisen anzupassen, ist der Hauptgrund für gescheiterte ERP-Projekte. Obwohl dieses Problem weithin bekannt ist, scheint es sich nur schwer lösen zu lassen, denn es spukt schon seit (zu) vielen Jahren durch die ERP-Welt. Offensichtlich gibt es keinen „Quick-Fix“ dafür. Wenn Veränderungen das Problem sind, wie setzt man dann Veränderungsmanagement ein, um ein Projekt erfolgreich ins Ziel zu bringen?

Jedes Jahr treffe ich in meinem Job auf große internationale Unternehmen und Organisationen, deren Geschäftsleitung beschlossen hat, eine neue ERP-Lösung einzuführen – in allen Niederlassungen und Tochtergesellschaften weltweit. Zusammen mit dem neuen System sollen dann auch neue, globale Prozesse implementiert werden. An allen Standorten. In den meisten Fällen, in denen keine Rücksicht auf den „Faktor Mensch“ genommen wird, macht sich unter den Nutzern schnell Widerstand breit, der schließlich darin münden kann, dass das gesamte Projekt sabotiert wird. Wer Geschäftsprozesse und Arbeitsabläufe verändert, darf die menschliche Natur ebenso wenig unterschätzen wie kulturelle Unterschiede.

Bevor Sie sich darüber Gedanken machen, wie Sie solchen Widerstand in der Belegschaft überwinden, sollten Sie sich die möglichen Gründe für dessen Aufkommen klar machen. Handeln die Mitarbeiter so, weil sie sich ganz allgemein gegen Veränderungen wehren? Meiner Erfahrung nach tritt ein Widerstreben vor allem dort ein, wo die neuen Prozesse mangelhaft oder für die Arbeit im Unternehmen unpassend sind. Weisen Ihre globalen Prozesse die erforderliche Qualität auf? Ist Ihre Organisation bereit, Ihnen zu folgen und Sie zu unterstützen?

Praktische Tipps für das Veränderungsmanagement vor dem Projektstart

Wenn sich im Zusammenhang mit einem internationalen ERP-Projekt Widerstand bei den Nutzern zeigt, kümmere ich mich gleich zu Anfang um ein paar wichtige Fragen:

  1. Stimmt die Qualität der globalen Prozesse? Bevor Sie mit der Harmonisierung über Ländergrenzen hinweg beginnen, vergewissern Sie sich, dass die angestrebten neuen Prozesse qualitativ hochwertig und durchdacht sind. Beruhen sie auf Best Practices, von denen wirklich die gesamte Organisation profitiert? Globale Prozesse werden in den Niederlassungen vor Ort häufig angezweifelt. Das liegt jedoch nicht unbedingt an einem generellen Widerstand gegenüber Veränderungen. Wo die Akzeptanz eines neuen Prozesses nicht mit menschlichen Verhaltensproblemen erklärt werden kann, liegt nahe, dass der Prozess entweder Qualitätsprobleme aufweist oder dass er nicht angemessen ist, weil die Bedingungen vor Ort – z. B. rechtliche Vorschriften – seine Verwendung nicht zulassen.
  2. Passen die ehrgeizigen Ziele zum Unternehmen? Das Ambitionsniveau muss zur Reife des Unternehmens passen. In einem reifen, zentral gesteuerten Unternehmen, in dem Vorstandsentscheidungen in allen Unternehmensteilen effizient umgesetzt werden, ist es sinnvoll, wenn alle Mitarbeiter dasselbe System nutzen. Verfügt ein Unternehmen jedoch nur über wenige harmonisierte Prozesse und arbeiten die Niederlassungen mit sehr unterschiedlichen Arbeitsabläufen und Systemen, muss bei der Harmonisierung viel grundsätzlicher angesetzt werden – hier geht Evolution vor Revolution.
  3. Welche Implementierungsmethode ist die beste? Um Verzögerungen vorzubeugen, setzen Sie am besten auf eine flexible Implementierungsmethode, die eine internationale Harmonisierung zeitnah zulässt. Eine Lösung könnte ein CORE-System sein: Es kann in Form von individuell konfigurierten „Kopien“ in allen Niederlassungen genutzt werden, ist aber im Kern dieselbe, harmonisierte Plattform. Eine CORE-Lösung enthält alle unternehmensweit genutzten Prozesse und Funktionen und erlaubt zugleich lokale Anpassungen, ohne dass dadurch die Prozesse in anderen Niederlassungen oder Tochtergesellschaften beeinträchtigt werden.

Die Essenz ist diese: Wenn Sie nicht alle Nutzer für Ihr System begeistern können oder sogar aktiven Widerstand dagegen erleben, müssen Sie alles dafür tun, dass alle Betroffenen in allen Unternehmensteilen ihre Augen auf ein optimiertes Szenario für die Zukunft richten, anstatt sich in aktuellen Mängel und Problemen festzubeißen. Die Grundregel Nummer eins für das Veränderungsmanagement lautet: Erstellen Sie zuerst einen realistischen Plan – und denken Sie dann darüber nach, wie Sie die Veränderungen in Ihrem Unternehmen oder Ihrer Organisation am besten durchsetzen können.

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